Eine Ausbildung zum Immobilienmakler ist in Deutschland nicht vorgeschrieben. Wer gewerbsmäßig Immobilien vermittelt, braucht eine Erlaubnis nach § 34c GewO, und dafür prüft die Behörde Zuverlässigkeit und Vermögensverhältnisse, nicht Abschlüsse. Trotzdem gibt es mehrere anerkannte Wege, das Handwerk zu lernen: die dreijährige Berufsausbildung zum Immobilienkaufmann, den Fortbildungsabschluss Geprüfter Immobilienfachwirt, kürzere IHK-Zertifikatslehrgänge, ein immobilienwirtschaftliches Studium und praxisorientierte Online-Kurse. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wo Sie heute stehen: Schulabgänger, Quereinsteiger mit Berufserfahrung oder tätiger Makler, der sein Wissen ordnen will.

Warum es keine Pflichtausbildung gibt

§ 34c Abs. 2 GewO nennt die Gründe, aus denen die Erlaubnis versagt wird: fehlende Zuverlässigkeit, ungeordnete Vermögensverhältnisse und, nur für Wohnimmobilienverwalter, eine fehlende Berufshaftpflichtversicherung. Eine Sachkundeprüfung für Makler sieht das Gesetz nicht vor. Auch die Weiterbildungspflicht nach § 34c Abs. 2a GewO gilt seit dem 24. Juli 2026 nur noch für Wohnimmobilienverwalter.

Das heißt nicht, dass Wissen egal wäre. Es heißt, dass der Markt entscheidet: Eigentümer beauftragen den Makler, der sie fachlich überzeugt. Und Fehler, etwa ein unwirksamer Maklervertrag oder falsche Angaben im Exposé, kosten Sie Provision oder führen zur Haftung. Eine strukturierte Ausbildung ist deshalb eine Investition, keine Formalie. Die rechtlichen Schritte zur Erlaubnis beschreibt der Ratgeber Immobilienmakler werden.

Die Wege im Überblick

Weg Form Dauer Abschluss Passt vor allem zu
Immobilienkaufmann/-frau duale Ausbildung (Betrieb und Berufsschule) drei Jahre staatlich anerkannter Ausbildungsberuf Schulabgängern, jungen Berufseinsteigern
Umschulung zum Immobilienkaufmann verkürzte Ausbildung für Erwachsene je nach Träger kürzer als drei Jahre wie oben, Prüfung vor der IHK Berufswechslern, oft mit Förderung
Geprüfter Immobilienfachwirt berufsbegleitende Fortbildung je nach Lehrgang bundesweit geregelter Fortbildungsabschluss Berufserfahrenen mit Führungsabsicht
IHK-Zertifikatslehrgang Kurs eines Bildungsträgers Wochen bis Monate Zertifikat des Trägers Quereinsteigern, die kompakt starten wollen
Studium Immobilienwirtschaft Hochschule, auch dual oder berufsbegleitend mehrere Jahre Bachelor oder Master angehenden Fach- und Führungskräften
Online-Akademie Selbstlernkurse, oft im Abo flexibel kein staatlicher Abschluss tätigen Maklern, die gezielt Lücken schließen

Dauer und Kosten der Lehrgänge sind nicht einheitlich. Vergleichen Sie Angebote immer anhand des Lehrplans, der Unterrichtsstunden und der Prüfungsform, nicht anhand des Titels.

Immobilienkaufmann: die klassische Berufsausbildung

Der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf heißt Immobilienkaufmann beziehungsweise Immobilienkauffrau. Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Immobilienkaufmann/zur Immobilienkauffrau vom 14. Februar 2006; die Ausbildungsdauer beträgt nach § 2 der Verordnung drei Jahre. Sie lernen im Betrieb, etwa in einem Maklerbüro, einer Hausverwaltung oder einem Wohnungsunternehmen, und parallel in der Berufsschule. Die Abschlussprüfung nimmt die IHK ab.

Stärken: Sie lernen die gesamte Immobilienwirtschaft kennen, nicht nur den Verkauf: Bewirtschaftung, Verwaltung von Wohnungseigentum, Finanzierung, Rechnungswesen. Das Gehalt während der Ausbildung ist gering, aber Sie verdienen von Anfang an.

Grenzen: Wie viel Maklerpraxis Sie bekommen, hängt stark vom Ausbildungsbetrieb ab. In einem Wohnungsunternehmen sehen Sie vielleicht nie einen Akquisetermin. Wer gezielt Makler werden will, sollte bei der Bewerbung fragen, welchen Anteil das Vermittlungsgeschäft hat.

Umschulung

Für Erwachsene, die den Beruf wechseln, bieten Bildungsträger Umschulungen zum Immobilienkaufmann an, die mit derselben IHK-Prüfung enden, aber kürzer und kompakter sind. Ob eine Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter möglich ist, klären Sie dort im Einzelfall. Achten Sie darauf, dass die Umschulung ein Praktikum in einem Betrieb enthält, der tatsächlich vermittelt.

Geprüfter Immobilienfachwirt: der Aufstiegsabschluss

Der Geprüfte Immobilienfachwirt ist ein bundesweit geregelter Fortbildungsabschluss. Prüfungsinhalte und Zulassung regelt die Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Immobilienfachwirt/Geprüfte Immobilienfachwirtin (ImmoFachwPrV). Die Prüfung findet vor der IHK statt, vorbereitet wird meist in berufsbegleitenden Lehrgängen.

Zur Prüfung werden in der Regel nur Personen mit Berufserfahrung zugelassen; die genauen Voraussetzungen stehen in der Verordnung und auf den Seiten Ihrer IHK. Der Abschluss richtet sich an Fachkräfte, die Verantwortung übernehmen wollen: Teamleitung, eigene Niederlassung, größere Bestände. Wer die Prüfung bestanden hat, ist nach der Verordnung zudem vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung befreit und kann damit leichter selbst ausbilden.

IHK-Zertifikatslehrgänge: kompakt, aber uneinheitlich

Viele Bildungsträger und Industrie- und Handelskammern bieten Zertifikatslehrgänge an, etwa unter Titeln wie „Immobilienmakler (IHK)“. Wichtig zu wissen: Ein solcher Zertifikatslehrgang ist kein Ausbildungsberuf und kein Fortbildungsabschluss nach einer Bundesverordnung. Inhalt, Umfang und Prüfung legt der jeweilige Anbieter fest.

Das macht die Lehrgänge nicht wertlos. Für Quereinsteiger sind sie oft der schnellste Weg zu einem geordneten Überblick über Recht, Bewertung und Vermarktung. Prüfen Sie vor der Buchung:

  • Wie viele Unterrichtsstunden umfasst der Kurs, und wie viele davon sind Praxis?
  • Wer unterrichtet: aktive Makler, Juristen, Sachverständige?
  • Gibt es eine Abschlussprüfung, und wer nimmt sie ab?
  • Ist der Stoff auf dem aktuellen Rechtsstand, etwa zur Provisionsteilung nach §§ 656c, 656d BGB und zur weggefallenen Weiterbildungspflicht?

Studium der Immobilienwirtschaft

Hochschulen bieten Bachelor- und Masterstudiengänge in Immobilienwirtschaft oder Real Estate an, teils dual oder berufsbegleitend. Das Studium vermittelt Volks- und Betriebswirtschaft, Bewertung, Finanzierung, Projektentwicklung und Recht auf akademischem Niveau.

Für das Tagesgeschäft eines Maklerbüros ist das mehr, als Sie brauchen, und es fehlt oft das, was Sie am dringendsten brauchen: Akquise, Gesprächsführung, Vermarktung. Ein Studium lohnt sich vor allem, wenn Sie langfristig in Bewertung, Investment, Projektentwicklung oder in die Führung größerer Unternehmen wollen.

Online-Kurse und Akademien

Online-Formate haben sich vor allem für Menschen etabliert, die bereits arbeiten. Sie lernen in Ihrem Tempo, können einzelne Themen gezielt nachholen und das Gelernte am nächsten Tag am eigenen Fall anwenden. Einen anerkannten Abschluss ersetzen sie nicht, und das versprechen seriöse Anbieter auch nicht.

Prüfen Sie bei Online-Angeboten, ob es Probelektionen gibt, ob die Inhalte datiert sind, ob Rechtsaussagen mit Normen belegt werden und ob Sie monatlich kündigen können.

Welcher Weg passt zu Ihnen?

Sie stehen am Anfang Ihres Berufslebens

Die Ausbildung zum Immobilienkaufmann ist der solideste Start. Suchen Sie gezielt einen Betrieb mit eigenem Vermittlungsgeschäft. Nach einigen Jahren Praxis können Sie den Immobilienfachwirt anschließen.

Sie wechseln aus einem anderen Beruf

Eine dreijährige Ausbildung ist für die meisten Berufswechsler zu lang. Sinnvoller ist eine Kombination: ein kompakter Lehrgang oder eine Online-Akademie für das Fachwissen, dazu Praxis in einem Maklerbüro, angestellt oder als freier Mitarbeiter. Ihre bisherige Erfahrung, etwa aus Vertrieb oder Bau, bringen Sie mit. Was Sie zusätzlich brauchen, zeigt die Tabelle zum Quereinstieg im Ratgeber Immobilienmakler werden.

Sie sind bereits als Makler tätig

Hier geht es selten um einen neuen Abschluss, sondern um konkrete Lücken: ein Akquisekanal, der nicht funktioniert, Exposés, die nicht überzeugen, Provisionsgespräche, die Sie zu oft verlieren. Dafür sind gezielte Kurse effizienter als ein Gesamtlehrgang. Mehr dazu im Ratgeber Weiterbildung für Immobilienmakler.

Kosten und Förderung prüfen

Die Kosten der Wege unterscheiden sich stark, und sie hängen vom Anbieter ab. Bei der Berufsausbildung zahlen Sie nichts, Sie erhalten eine Ausbildungsvergütung. Umschulungen, Fachwirt-Lehrgänge, Zertifikatskurse und Studiengänge kosten dagegen Gebühren, die von wenigen hundert bis zu mehreren tausend Euro reichen können. Vergleichen Sie immer den Gesamtpreis einschließlich Prüfungsgebühren, Lernmaterial und Reisekosten.

Für Fortbildungsabschlüsse und Umschulungen gibt es öffentliche Förderprogramme. Ob und in welcher Höhe sie für Ihren Fall infrage kommen, hängt von Abschluss, Anbieter und Ihrer persönlichen Situation ab. Fragen Sie vor der Anmeldung bei der Agentur für Arbeit, beim Jobcenter oder bei der Förderberatung Ihrer IHK nach. Als Selbstständiger können Sie Kosten für berufliche Fortbildung in der Regel als Betriebsausgaben geltend machen; die Einzelheiten klärt Ihre Steuerberatung.

Was die Praxis lehrt, die kein Kurs ersetzt

Selbst die beste Ausbildung bereitet Sie nur begrenzt auf bestimmte Situationen vor, die Sie erst im Alltag lernen:

  • Das erste Gespräch mit einem skeptischen Eigentümer, der schon zwei andere Makler eingeladen hat.
  • Die Preisdiskussion, wenn Ihre Einschätzung deutlich unter der Erwartung liegt.
  • Die Besichtigung mit zwölf Interessenten, von denen drei ernsthaft kaufen wollen.
  • Der Anruf am Abend vor dem Notartermin, weil die Bank noch eine Unterlage braucht.

Suchen Sie deshalb früh Gelegenheiten, erfahrenen Maklern über die Schulter zu schauen: als Praktikant, Assistenz, freier Mitarbeiter oder durch Begleitung bei Terminen. Kombiniert mit einem strukturierten Lernweg ist das die schnellste Art, sicher zu werden.

Checkliste vor der Anmeldung

  • Welches Ziel verfolge ich: Berufseinstieg, Abschluss für eine Führungsrolle oder gezieltes Schließen von Lücken?
  • Ist der Abschluss staatlich geregelt oder ein Zertifikat des Anbieters, und brauche ich für mein Ziel das eine oder das andere?
  • Passt die Form zu meinem Alltag: Vollzeit, berufsbegleitend, online im eigenen Tempo?
  • Wie viel Praxis aus dem Vermittlungsgeschäft enthält der Lehrplan?
  • Sind die Inhalte auf dem Rechtsstand des laufenden Jahres?
  • Welche Förderung kommt infrage, und habe ich sie vor der Anmeldung beantragt?

Was in keiner Ausbildung fehlen darf

Egal, welchen Weg Sie wählen: Am Ende müssen Sie diese Themen sicher beherrschen.

  1. Recht: Erlaubnis nach § 34c GewO, Maklervertrag und Provisionsanspruch (§§ 652 ff. BGB), Textform und Provisionsteilung bei Wohnungen und Einfamilienhäusern (§§ 656a bis 656d BGB), Widerrufsrecht bei Verbrauchern, Geldwäschegesetz, Pflichtangaben in Immobilienanzeigen nach § 87 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, früher GEG).
  2. Bewertung: die drei Wertermittlungsverfahren in den Grundzügen, Marktdaten, Bodenrichtwerte, Plausibilisierung eines Angebotspreises.
  3. Objektaufbereitung: Unterlagen, Fotos, Grundriss, Exposé.
  4. Verkauf: Interessenten qualifizieren, Besichtigungen, Preisverhandlung, Finanzierungsnachweis, Notartermin, Übergabe.
  5. Akquise und Marketing: wie Eigentümer Sie finden, rechtssicher und ohne unerlaubte Telefonwerbung (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG).
  6. Unternehmensführung: Kennzahlen, Kosten, Provisionspolitik.

Genau entlang dieser Themen sind die sechs Kurse von maklerwerk.de aufgebaut: Akquise, Aufbereitung, Verkauf, Digitalisierung, Recht und Wachstum. Die erste Lektion jedes Kurses ist frei, den vollen Zugang mit Lernblättern gibt es mit der Mitgliedschaft. Einen staatlichen Abschluss vergibt maklerwerk.de nicht.

Stand der Angaben: 11/2026. Zulassungsvoraussetzungen und Prüfungstermine erfragen Sie bei Ihrer IHK.